boot.ini

Auswahl des Betriebssystems

Windows verwendet schon seit langer Zeit die Text-Datei boot.ini zur Steuerung des Start-Vorgangs Auf dieser Seite werden einige Tricks gegen die notorischen Schwächen dieser Methode vorgestellt
Betriebssystem Fundament jedes PC - Linux - Windows
Multi-System PCs mit mehreren Betriebssystemen
Linux + Windows Kombination Linux mit Windows
Windows + Windows Mehrere Windows-Systeme
boot.ini Steuerung des Windows BootLoaders

Mehrere Betriebssysteme ?

Man findet im Internet genügend viele Quellen, die den Start-Vorgang eines PC genau beschreiben. Auf dieser Seite wird nur ein einziger Sonderfall vorgestellt:
Ein PC verfügt über mehrere Festplatten oder Partitionen.
Auf mindestens 2 dieser Festplatten sind Betriebssysteme installiert.
Diese Konfiguration ist bei anspruchsvollen Amateuren sinnvoll und beliebt.
Die Masse der Heim-AnwenderInnen kennt und verwendet nur ein einziges Betriebssystem.
Die Arbeits-PC von Betrieben verwenden meist ebenfalls nur 1 System: Bei einem Ausfall wird der gesamte PC ersetzt bzw. neu aufgesetzt.

BootLoader

Der Start-Vorgang beginnt in jedem Fall mit dem BIOS des PC.
Dieser übergibt die Kontrolle an den BootLoader - Das ist bereits ein kleines Programm aus einem der installierten Systeme.

Wenn es nur 1 Betriebssystem gibt, dann ladet es der BootLoader und übergibt danach die Kontrolle an das System.
Wenn es mehrere Systeme gibt, dann präsentiert der BootLoader eine Liste: Man kann das gewünschte System auswählen.
Wenn nach Ablauf der Wartezeit keine Auswahl erfolgt sit, dann wird das konfigurierte Standard-System gestartet.
Auswahl-Liste, Reihenfolge, Standard-System und Wartezeit lassen sich konfigurieren.
Zumindest in 2 Fällen sind PC mit mehreren Betriebssystemen vorteilhaft:

Reserve-System

Wenn das normale Arbeits-System Probleme hat oder ausfällt, dann startet man einfach den PC neu - mit dem Reserve-System der anderen Festplatte. Wenn nicht gleichzeitig auch das Datei-System zerstört wurde (sehr selten), dann kann man ohne Verzögerung weiter arbeiten - mit den gleichen Dokumenten und den gleichen Programmen.

Die folgenden Tage sollte man nutzen, um das beschädigte System zu erneuern (eine Reparatur ist riskant und selten erfolgreich).

Für diese Art der Anwendung installiert man die beiden Betriebssysteme inkl. aller wichtigen Programme mehr oder weniger identisch. Die Daten müssen für beide Systeme zugänglich sein, z.B. auf einer eigenen Partition.

Die Betriebs-arme (Urlaubs)-Zeit nutzt man, um zumindest 1mal jährlich das Reserve-System auf den aktuellen Stand zu bringen.
Der vom Reserve-System verbrauchte Speicherplatz hat in Zeiten von Terabyte-Festplatten keine Bedeutung.
Es hat keinen praktischen Wert, mehr als 2 Systeme an einem PC zu installieren: In diesem Fall nimmt die Betriebssicherheit kaum zu, der Arbeits-Aufwand jedoch erheblich.

Alternative Betriebssysteme

Wer die Vorteile mehrerer unterschiedlicher Betriebssysteme kennen lernen und nutzen will, installiert sie am eigenen PC.

In diesem Fall ist es unumgänglich, die Daten sauber getrennt in einer eigenen Partitionen zu organisieren. Dazu verwendet man am besten das Datei-System NTFS, das von allen gängigen Systemen verstanden wird. Umgekehrt kann Windows nur mit besondere Tricks eines der modernen (Linux) Datei-Systeme benutzen.

Vorteil dieser Konfiguration: Man kann alle Programme der installierten Systeme auf die gleichen Daten anwenden.

Nachteil: Es ist immer nur 1 System aktiv. Die Umschaltung dauert für einen professionellen Betrieb zu lang, erlaubt aber ein solides Kennenlernen alternativer Systeme ohne Zeitdruck.

Virtuelle Computer

Eine interessante Alternative zu dieser Variante sind → Virtuelle Computer: Diese PC werden durch ein Programm Live 'simuliert'. Man kann mehrere davon gleichzeitig (!) mit einem realen PC betreiben und natürlich auch auf gemeinsame Daten zugreifen.

Probleme

Mindestens eines von mehreren Betriebssystemen eines PC stammt meist aus der Windows-Familie. Daher muss man sich mit einigen unangenehmen Charakterzügen beschäftigen, die leider allen Mitgliedern dieser Familie gemeinsam sind:
Bei der Installation versuchen Windows-Systeme, den Start anderer vorhandener Systeme möglichst zu unterbinden.

Die ungefragte Zerstörung fremder Systeme wäre vermutlich unpopulär und auch rechtlich bedenklich. Die angewendete Methode erreicht das unanständige Ziel jedoch eleganter:
Vorhandene Boot-Loader werden ungefragt außer Kraft gesetzt. Nach der Windows-Installation sind allenfalls vorher installierte andere Systeme zwar unbeschädigt, jedoch auf normalem Wege nicht mehr zu starten.

Darunter leidet auch die eigene Familie: Bei der Installation eines Windows-Systems werden häufig auch die Boot-Loader von anderen vorhandenen Windows-Systemen ignoriert. Die Beispiele dieser Seite zeigen, wie man einen PC dazu bringt, wahlweise eines von mehreren Systemen zu starten.

Linux-Systeme leiden nicht unter dieser Überheblichkeit: Wenn sie bei der Installation andere (Windows)-Systeme vorfinden, dann werden deren Start-Punkte normalerweise sogar ungefragt in den Linux Boot-Loader integriert. Auch der Windows BootLoader wird meist nicht entfernt, sondern dann gestartet, wenn man am Linux BootLoader ein Windows-System auswählt.

Linux + Windows

Start mit Windows

Wegen der Intoleranz der Windows-Systeme installiert man ein Windows-System immer als erstes. Weitere Festplatten oder Partitionen bleiben dabei unbearbeitet, lediglich die Daten-Partition wird mit NTFS formatiert.

Die gleiche Strategie verfolgt man auch innerhalb des Windows-Systems: Microsoft-Programme werden als erste installiert, erst danach andere Programme, die man alternativ dazu verwenden möchte.

Besondere Vorsicht ist bei automatischen Updates geboten: Sie installieren nicht nur neue Software (auch bevor diese sorgfältig getestet ist), sondern versuchen oft, alternative Programme abzuschalten oder mindestens zu behindern.

Weiter mit Linux

Alle gängigen Linux-Systeme nehmen Rücksicht auf vorhandene Windows-Systeme. Deren Start-Punkte werden in den von Linux installierten Boot-Loader integriert.
Bei einem Neu-Start wird der Linux Boot-Loader verwendet, welcher die Auswahl unter allen installierten Systemen erlaubt.
Wenn man ein Windows-System wählt, dann startet der Linux BootLoader den unverändert gebliebenen Windows BootLoader, welcher entweder das einzige Windows-System startet, oder die Auswahl unter mehreren Windows-Systemen ermöglicht.

Ältere Linux-Systeme können NTFS-Daten nur lesen, alle aktuellen Systeme bieten jedoch vollen Zugriif auch auf NTFS-Volumes. Noch mehr Flexibilität und Sicherheit bietet die Verlagerung der Daten auf einen Server: In diesem Fall kann man die Daten mit allen Betriebsystemen aller an das Netzwerk angeschlossenen PC bearbeiten.

Daten

Wenn man für die Daten eine eigene Festplatte / Partition reserviert, dann wird diese am besten mit dem Datei-System NTFS formatiert.
Die Boot-Loader  aller Linux- und Windows-Systeme können auch nachträglich so modifiziert werden, dass sie beim PC-Start die Auswahl unter allen installierten Systemen erlauben.
Diese Arbeit erfordert jedoch gehobene Kenntnisse aller beteiligten Systeme.
Die hier beschriebene Methode funktioniert nur bei Neu-Installation der jeweiligen Systeme. Sie erfordert jedoch keine besonderen Kenntnisse und ist auch für Amateure problemlos anwendbar.
Es ist möglich, nachträglich beliebige BootLoader zu installieren. Es gibt einige Beispiele für derartige - System-unabhängige - Software. Die Verwendung solcher Programme erfordert professionelle Kenntnisse. Für Amateure besteht die Gefahr, dass bei Installations-Fehlern evtl. alle installierten Systeme unbrauchbar werden.

Windows + Windows

Mit etwas Glück erkennt und toleriert ein neu installiertes Windows-System andere vorhandene Windows-Systemen. Nach dem Neustart erlaubt der spartanisch einfache BootLoader die Auswahl unter allen installierten Systemen.

Leider wird dabei nicht die jeweilige Festplatte oder Partition angegeben, sondern nur der vom Hersteller bevorzugte Name des Systems. Wenn man 2 identische Systeme installiert, kann man das gewünschte System nur durch 'Versuch und Irrtum' auswählen.
In diesem Fall sollte man zumindest den angezeigten Text ändern.
Wenn das neu installierte Windows-System die anderen vorhandenen Systeme ignoriert, dann muss der BootLoader neu konfiguriert werden.
Ansonsten findet man die übrigen Festplatten zwar im 'Arbeitsplatz', kann deren Betriebssysteme jedoch nicht starten.
Der Windows Boot-Loader wird durch die Text-Datei boot.ini gesteuert, die sich in der obersten Ebene der Start-Festplatte befinden soll, z.B.
C:\boot.ini

Legen sie in jedem Fall eine Sicherungs-Kopie dieser Datei an, z.B. auf Diskette oder USB-Stick.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, diese Datei zu ändern, z.B.
Öffnen und Ändern mit einem Text-Editor Programm.
Mit der 'Wiederherstellungs-Konsole', die auch in schwer beschädigten Systemen anwendbar ist. In diesem Fall muss man jedoch den Konsolen-Editor bedienen - eine aussterbende Kunst.
Mit Systemsteuerung | System | Erweitert | Starten und Wiederherstellen | Einstellungen.
Mit dem Konsolen-Programm bootcfg
Wählen Sie das zu startende Betriebssystem:
Windows XYZ ...
Windows ZYX ...
Verwenden sie Pfeil nach oben bzw. unten, um einen Eintrag zu markieren...
Das spartanische Layout des Windows BootLoaders steht in einem bemerkenswerten Kontrast zu allen anderen Produkten des Herstellers, die eher an einem Rausch von Farben und Grafik laborieren.
Die Ursache ist unbekannt, aber sicher nicht zufällig.
Möglicherweise soll man den BootLoader für ein 'eingebautes' Programm der PC-Hardware halten, wie z.B. den BIOS.
Man darf sich nicht täuschen lassen: Der BootLoader ist nur ein Programm des Betriebssystem-Herstellers.

boot.ini

Diese Text-Datei steuert den Windows BootLoader.
Ändern sie diese Datei nur nach sorgfältiger Überlegung !
Ein Fehler kann im schlimmsten Fall alle installierten Betriebssysteme beschädigen.
Alle hier vorgestellten Beispiele sind unverbindlich !   Die Anwendung erfolgt auf eigenes Risiko !

Im nächsten Absatz finden sie ein typische Beispiel für eine Datei boot.ini
[boot loader]
timeout=30
default=multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS
[operating systems]
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)\WINDOWS="WinXP C" /fastdetect /NoExecute=OptIn
multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)\WINNT="Win2k D" /fastdetect

Datei

Die Datei boot.ini ist in 2 Abschnitte gegliedert:

[boot loader]
Enthält die Festlegung der Wartezeit (timeout) in Sekunden, sowie das Standard-System, welches nach Ablauf der Wartezeit automatisch gestartet wird.

[operating systems]
Enthält je eine Zeile für jedes zur Auswahl stehende Betriebssystem.

Betriebssystem-Auswahl

Jedes definierte Betriebssystem enthält folgende Angaben:

Installations-Ort, definiert durch die 4 Variablen multi / disk / rdisk / partition

Den im BootLoader angezeigten Hinweis-Text.
Sie können diesen Text beliebig ändern, damit die Aussage kurz und verständlich ist.

Options-Schalter

Installations-Ort eines Systems


Controller
Das ist jenes Interface (Hardware), welches die Laufwerke (Festplatte/n, CD/DVD-Laufwerk/e) steuert. Jeder PC verfügt über einen Controller. In seltenen Fällen sind mehrere Controller eingebaut.
multi(0) - Der primäre Controller - IDE, EIDE oder SCSI-Controller ohne eigenen BIOS
multi(1) - Ein allfälliger 2. Controller
scsi(0) - Ein primärer SCSI-Controller

Logical Unit Number
disk(0) - Logical Unit Number (LUN, fast immer =0)

Physikalisches Laufwerk
Ein IDE-Controller kann 4 Laufwerke (0..3) steuern, ein SCSI-Controller 8 Laufwerke (0..7)
rdisk(0) - Das erste physikalische Laufwerk
rdisk(1) - 2. Laufwerk

Partition
Jede Festplatte kann in mehrere Partitionen unterteilt werden. Jede Partition verhält sich gegenüber dem Betriebssystem so, als ob sie eine eigene Festplatte wäre.
partition(0) - Die erste Partition (bei unpartitionierten Festplatten immer=0)
partition(1)... - Allfällige weitere Partitionen

Beispiele für häufig vorkommende Kombinationen von Installations-Orten:

2 Festplatten (C,D) mit je einem eigenen Betriebssystem:
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)
multi(0)disk(0)rdisk(1)partition(1)

1 Festplatte, unterteilt in 3 Partitionen. Die ersten beiden Partitionen enthalten je ein eigenes Betriebssystem:
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(1)
multi(0)disk(0)rdisk(0)partition(2)

Tipp:
Löschen sie keinesfalls eine vorhandene Zeile dieses Abschnitts.
Fügen sie allenfalls weitere Zeilen an, die nach ihren Annahmen gestaltet sind.
Im schlimmsten Fall kann der PC nach einer der hinzugefügten Angaben nicht starten. In diesem Fall starten sie erneut mit Auswahl einer nicht veränderten Zeile und können die Datei boot.ini nochmals überarbeiten.

Links

Microsoft: Bearbeitung der Datei boot.ini