Knoppix

(Nicht nur) ein perfektes Reparatur-System

Knoppix ist ein komplettes Linux-System auf CD/DVD. Es kann alle gängigen Festplatten mounten, auch wenn diese stark beschädigt sind. Knoppix Knoppix eignet sich daher hervorragend zum Retten von Daten aller (!) gängigen PC und Betriebssysteme.
Betriebssystem Software-Fundament eines PC
Knoppix Kompakt-Information
Planung Vorbereitung der Reparatur
Checklist 1 Arbeiten am defekten PC
Checklist 2 Arbeiten am Rettungs-PC
Wieder-Aufbau  
Vorsorge Man lernt meist nur aus Fehlern
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Knoppix

Definition

Knoppix ist eine komplett von CD oder DVD lauffähige Zusammenstellung von GNU/Linux Software mit automatischer Hardware-Erkennung und Unterstützung für viele Grafikkarten, Soundkarten, SCSI- und USB-Geräte und sonstige Peripherie.
Knoppix kann als Linux-System für private PC, Schulung, Daten-Rettung oder als Plattform für Produktdemos angepasst und eingesetzt werden. Es ist keine Installation auf Festplatte notwendig. Auf einer CD können durch Kompression bis zu 2 Gigabyte an lauffähiger Software installiert sein (auf der DVD "Maxi" Edition über 9 Gigabyte).

Daten-Rettung

Knoppix ist ein genial konfiguriertes Linux-Komplett-System auf CD, mit dem man auch von völlig korrupten Festplatten meist noch (fast?) alle Daten retten kann.

Das zerstörte Original-Betriebssystem spielt dabei keine Rolle: Knoppix erkennt und liest Datrenträger aller gängigen Betriebssysteme, insbesondere Linux und Windows.
Knoppix kommt immer dann zum Einsatz, wenn alle Versuche, die Festplatte mit der Original-CD, mit Sicherheits-Disketten oder mit sonstigem Werkzeug noch wenigstens (kurz) zu lesen gescheitert waren.
Einzig nach erfolgter LowLevel-Formatierung einer Platte ist auch mit Knoppix nichts mehr zu lesen.
Da Knoppix komplett von der CD läuft und alle Datenträger nur lesen kann, muss der defekte PC in einem lokalen Netzwerk (LAN) hängen. Über das Netz werden die geretteten Daten auf eine gesunde Platte kopiert.
Danach kann man die defekte Platte formatieren und meistens noch lange weiter verwenden.
Neuere Knoppix-Versionen erlauben auch das Schreiben auf Festplatten. Das ist auf unbekannten und defekten Festplatten nicht empfehlenswert. Meist hilft danach nur noch Formatieren ...

Kostenfrei !

Knoppix gibt es in zahllosen Varianten. Die populärste ist natürlich die kostenfreie CD bzw. DVD-Version, die man von zahlreichen Stellen im Internet laden kann.
Eine Knoppix-CD/DVD gibts auch immer wieder als Beilage zu PC-Zeitschriften.

Das Stichwort 'Knoppix' bringt es bei Google immerhin auf >12 Mio Treffer !
Internet-Link Knoppix-Homepage
Der Erfinder: Dipl.Ing. Klaus Knopper aus Schmalenberg (D).

Planung der Reparatur

Knoppix bietet alle nötigen Informationen, sowohl auf der CD als auch im Web. Bei einem schwer beschädigten System liegen jedoch die Nerven blank, daher ein paar Tipps zur Erinnerung.

Kein Vertrauen zu defekten Systemen !

Innerhalb gewisser Grenzen lassen sich alle modernen Betriebs- und Dateisysteme zumindest teilweise reparieren.
Die Reparatur von Betriebs- oder Dateisystem stellt einen tiefen und teilweise riskanten Eingriff dar.
Daher müssen zumindest wertvolle Daten unbedingt vorher gesichert werden - auf einen anderen PC oder auf Datenträger (USB-Stick, CD..), niemals auf die gleiche oder eine andere Festplatte des beschädigten PC.

Führen sie keine Schreib-Operationen auf einem defekten Dateisystem aus (Daten schreiben, ändern, löschen, verschieben ..). Defekte Daten lassen sich meist noch regenerieren - ausgenommen dann, wenn sie durch andere Daten überschrieben wurden.
Defekte Systeme neigen zur Selbstvernichtung. Kurz davor funktionieren sie noch gerade so viel, dass alle Daten gründlich zerstört werden.
Kopieren statt verschieben: Man übersieht leicht, dass die Verschiebung (move) von Daten ebenfalls Schreib-Vorgänge auslöst: Im Quell-(src)-Dateisystem werden die entsprechenden Daten-Blöcke freigegeben. Es ist besser, Daten nur auf einen gesunden Datenträger zu kopieren !

Nach einer erfolgreichen Reparatur von Betriebssystem und/oder Dateisystem sollten sie sich Zeit für einen gründlichen Check aller wichtigen Programme und Daten nehmen.

Reparierte Systeme sind meist anfällig gegen weitere Fehler. Insbesondere Updates können ein repariertes System leicht beschädigen - In diesem Fall meist endgültig.
Wenn sie Anzeichen für weitere Fehler finden, dann sollten sie das System komplett erneuern, solange das noch möglich ist.

Fast alle großen Katastrophen kündigen sich durch eine Reihe von Indizien an. Meist stellt sich nachher (!) heraus, dass vor dem Absturz bereits zahlreiche kleinere Fehler auftraten, die leider ignoriert wurden.
Wenn sich die Häufigkeit auftretender Fehler merkbar erhöht, dann steht ein System-Absturz unmittelbar bevor.

Datensicherung auf USB:

Ein USB-Stick oder eine USB-Festplatte bietet die schnellste und einfachste Daten-Sicherung. Wählen sie diese Methode, wenn das noch möglich ist: Kopieren sie wichtige Daten auf ihren Stick.
Tipp: FAT-formatierte Sticks sind besser kompatibel: Sie funktionieren auf allen gängigen Betriebssystemen (Linux, Windows, ..).
Versuchen sie keinesfalls, einen defekten USB-Treiber zu reparieren oder zu ersetzen, solange ihre Daten noch nicht gesichert sind.
Wenn ihr USB-Gerät möglicherweise beschädigt ist: Probieren sie es auf einem anderen PC aus. Reparieren oder Formatieren sie einen Stick nur auf einem PC mit gesundem Betriebssystem.

Datensicherung auf CD/DVD:

Sichern sie wichtige Daten auf CD oder DVD, wenn das noch möglich ist.

Versuchen sie danach (auf einem anderen PC), zur Kontrolle einige Stichproben von der CD zu lesen.

Neue Festplatte:

Wenn sie eine größere Menge ungesicherter Daten haben, dann besteht meist die Möglichkeit, eine zusätzliche neue Festplatte einzubauen.
Starten sie den PC danach nur mit eingelegter Betriebssystem-CD (Linux, Knoppix, Windows, ...).
Formatieren sie die neue Festplatte (Nur wenn sie absolut sicher sind, dass sie die richtige Festplatte ausgewählt haben).
Kopieren sie die wichtigen Daten von der alten auf die neue Festplatte (nicht verschieben - nur kopieren !)

Nach abgeschlossener Daten-Sicherung:
Die neue Festplatte kann zur Sicherheit abgesteckt werden.
Die alte Festplatte wird formatiert, darauf ein System installiert.
Die neue Platte mit den Daten wird in Betrieb genommen.
Wenn alles (mindestens einige Tage lang) funktioniert, dann formatieren sie am besten auch die neue Festplatte nochmals, und installieren auch auf dieser ein System.
Anschließend können sie ihren PC wahlweise von einer der beiden Festplatten starten. Das bietet wesentlich mehr Sicherheit.

Netzwerk:

Ein lokales Netzwerk (LAN) ist die bevorzugte Technik zur Datensicherung von defekten PC. Nur auf einem anderen PC sind ihre Daten wirklich sicher vor dem defekten Betriebssystem.

Auch andere Verbindungen als Ethernet sind möglich: WLAN, Infrarot, ...
Zu PC-Urzeiten verwendete man zu diesem Zweck eine einfache serielle Leitung zwischen zwei PC - im Notfall funktioniert das immer noch.

Auch ein 'alleinstehender' PC lässt sich zumindest während einer Reparatur an ein LAN (PC von FreundInnen) andocken.
Einzige Bedingung ist Ethernet (eingebaut oder Karte) und genügend freier Plattenspeicher auf einem 'gesunden' PC.

Alte Festplatte nicht aufgeben !

Wenn die defekte Festplatte wichtige Daten enthält, dann werden diese nicht vorschnell aufgegeben:

Wenn alle Versuche zur Rettung der Daten scheitern, wird die defekte Festplatte vorläufig aus dem Verkehr gezogen. In der Praxis entstehen irreversible Daten-Verluste meist erst bei planlosen Reparatur-Versuchen !

Bauen sie die defekte Festplatte aus, nehmen sie eine neue in Betrieb und kümmern sie sich erst einmal um den Wieder-Aufbau eines funktionierenden Systems.

Eine neue Festplatte bedeutet viel Arbeit, bringt aber auch Vorteile: Sie ist fast immer größer und schneller als die alte Platte. Das neu aufgesetzte System (evtl. neue Version) ist absolut sauber, und daher meist auch besser und schneller.

Meist sorgt schon die vergangene Zeit für Beruhigung und neue zielführende Ideen, z.B.:
Einbau der alten Festplatte als Zweit-Platte in einen eigens vorbereiteten Rettungs-PC, Konsultation von Fachleuten, etc.
Nach Rettung der Daten wird die defekte Platte formatiert und weiter verwendet.

Hardware-Schaden

Die meisten Festplatten-Probleme betreffen das Dateisystem (Software) und lassen sich mit Planung, Klugheit und Erfahrung beheben.
Hardware-Schäden sind sehr selten, dafür jedoch meist irreparabel.

Wenn ihre Festplatte vor ihrem Ende ein schleifendes Geräusch erzeugt hat, und nicht mehr anläuft, dann ist eine Reparatur ziemlich aussichtslos.
Die Betriebswärme ist ein Indiz, jedoch keine Sicherheit: PC ganz auskühlen lassen, dann starten: Ein laufender Motor heizt die Platte rasch auf, sie wird heiß. Manchmal werden allerdings auch stecken gebliebende Platten warm.
Um sicher festzustellen, ob eine Festplatte anläuft, muss man sie ausbauen. Vorsicht beim Öffnen eines PC: Am Netzteil liegt gefährliche Spannung !
Das Daten-Kabel wird abgesteckt, das Stromkabel manuell angesteckt: Man spürt beim Anlaufen das Drehmoment der Platte und hört meist auch das Geräusch des Motors. Vorsicht - Die feine Mechanik ist sehr empfindlich.

Festplatte niemals öffnen: Das darf nur in einem speziell ausgerüsteten Labor erfolgen. Selbst geöffnete Platten eignen sich nur mehr als Wandschmuck.

Sehr alte Festplatten (5-10 Jahre) laufen am Ende ihrer Lebenszeit nicht immer an. Indizien:
Der PC startet meistens, jedoch nicht immer.
Ein morgendlicher Kalt-Start unterscheidet sich von einem Neustart nach Betrieb.
Die Häufigkeit der Start-Fehler nimmt zu.
Solche Warnungen sollte man ernst nehmen: Meist hat man nur noch Tage oder Stunden, um die Daten zu retten.

Der kritische Zeitpunkt ist der Start der Festplatte: Einmal gestartet läuft sie meistens noch lange - bis zum letzten Ausschalten. Fahren sie den PC daher im Zweifel nicht herunter und führen sie noch eine letzte Sicherung der Daten durch.

Wenn die Platte nicht mehr anläuft, enthält sie immer noch alle Daten. Fachleute sind nicht billig, können die Festplatte aber manchmal noch (genau) einmal starten und mit Glück einige Daten sichern.

Checklist am defekten PC

Start - Situation:
Ein PC mit defektem Betriebssystem und ungesicherten Daten. Die Hardware ist intakt.
Freier Speicherplatz auf einem anderen gesunden PC im lokalen Netzwerk (LAN).

Starten sie das defekte System niemals wieder, bevor nicht alle Daten nachweislich (!) gesichert sind.
Starten sie evtl. von CD/DVD, wählen sie jedoch niemals die Option 'Reparatur', wenn die Daten noch nicht sicher sind.
Knoppix-CD einlegen, PC starten.
Wenn Knoppix nicht startet, nochmals Neustart auslösen, meist funktioniert es zumindest im zweiten Anlauf.
Bei Problemen: BIOS öffnen, Start-Reihenfolge ändern, z.B.:
CD - Floppy - Festplatte oder CD - USB - Festplatte(n)
Bei defekten Vista-PC starten ältere Knoppix-Versionen nicht immer.
In diesem Fall: Nerven bewahren, neues Knoppix besorgen !

Netzwerk-(LAN)-Anschluss:

Beim Anstecken des Netzwerk-Kabels kontrollieren: Die meisten Ethernet-Karten haben eine kleine LED zur Anzeige: Sie sollte nach dem Anstecken leuchten, meist grün.
Die meisten Hubs haben ebenfalls Leuchtdioden zur Anzeige der Verbindung:
Sie muss für beide PC funktionieren.
Defekt-PC evtl. nach dem LAN-Anstecken neu starten.
Bei Problemen ein anderes Netzwerk-Kabel versuchen.

LAN-Verbindung

einrichten: (je nach Knoppix-Version kleine Unterschiede).
Knoppix-Menü oder Startmenü | . . Ethernet.

Stellen sie die IP-Adresse des Patienten passend zu ihrem Netzwerk ein: Manuell hat sich besser bewährt als DHCP.
Ihr Netzwerk-Guru kennt den Adressbereich ihres LAN.
Im Zweifel abwarten, bis nur mehr die beiden PC im LAN sind, dann die eigene IP-Adresse des gesunden PC feststellen (Windows: Konsolen-Befehl ipconfig, Linux: ifconfig) und die Folge-Adresse (letzte Ziffer +1 ) am Patienten einstellen.
Wenn sie auch das nicht schaffen: Probieren sie 192.168.0.99 oder 10.0.0.99 - Diese Adressen sind in den meisten Netzwerken benutzbar.

Firewall

Ein Firewall am 'gesunden' PC kann die Sicherung unterbinden, zumindest erschweren.
Isolieren sie die beiden PC vom Internet (am besten auch von allen anderen PC) und schalten sie den Firewall für die Zeit der Daten-Sicherung ab.

Wenn die Verbindung (z.B. ↓ Ping) trotz offensichtlich noch vorhandener Netzwerk-Funktion nicht klappt: Firewall abschalten, von einem laufenden Firewall das Log kontrollieren.
Wenn das nicht möglich ist, den 'gesunden' PC evtl. von CD (ohne Firewall) starten.

Ping

Nach erfolgreicher LAN-Einstellung kontrollieren sie die Verbindung in beide (!) Richtungen - d.h. auf beiden PC - mit dem überall vorhandenen Konsolen-Programm ping

Ping ist ein robustes Verfahren, um eine Netzwerk-Verbindung festzustellen. Sie sollten die IP-Adressen beider PC kennen.
Falls nicht - Konsolen-Befehl
# ifconfig
C:\> ipconfig
oder Windows-Menü System | Einstellung | Netzwerk usw.
Ping-Befehl:
# ping -c3 192.168.0.99
C:\> ping 192.168.0.99
Ersetzen sie die IP-Adresse durch die reale Adresse des entfernten PC. Bei Erfolg wird Antwort und Zeit ausgegeben.

Wenn kein Ping funktioniert, dann besteht keine Netzwerk-Verbindung, oder die Verbindung wird durch einen ↑ Firewall verhindert.

Kabel an beiden PC und am Hub angesteckt, Leuchtdioden ok ?

Funktioniert ein anderes Kabel - Am besten eines, welches mit einem anderen PC nachweislich funktioniert ?!

Falsche IP-Adresse auf zumindest einem der beiden PC, oder gleiche IP-Adresse auf beiden PC eingestellt. .?

Wenn der Ping nur in eine Richtung funktioniert, dann funktioniert das Netzwerk vermutlich. Eine der beiden IP-Adressen wurde jedoch beim ping-Befehl falsch eingegeben, oder ein ↑ Firewall erlaubt den Ping nur in eine Richtung.

Nur dann weitermachen, wenn beide Pings funktionieren.
Netzwerk-Dienst (FileServer):
Damit Knoppix Daten sichern kann, muss auf dem Knoppix-PC ein Dienst (Service, daemon) gestartet werden, welche die Daten liest und dem Sicherungs-PC im LAN anbietet.
Knoppix bietet je nach Version einige Möglichkeiten an: Frühere Versionen haben SSH (Secure shell) unterstützt, neuere zusätzlich Samba und Terminal-Server.
ist ein FileServer in Windows-Stil. Wenn sie Samba verwenden, dann brauchen sie auf Win-PC kein Programm: Samba (smbd) bietet die Daten für den Win-PC als 'Netzlaufwerk' an. Auf Linux benötigen sie smbclient - Dieses Paket ist in allen modernen Distributionen enthalten oder kann aus dem Internet geladen und installiert werden.
Beim Start werden sie (2mal) nach dem Passwort gefragt (z.B. 'knoppix'). Ausserdem werden sie gefragt, welche Teile der Daten exportiert werden sollen - verwenden sie 'alle' noch lesbaren Daten.
Wenn sie SSH verwenden, brauchen sie am 'gesunden' PC ein Programm, welches mit SSH auf den Knoppix-PC zugreifen und Daten kopieren kann. Auf Win können sie z.B. z.B. WinSCP verwenden - gratis aus dem Internet. Beim Start der Verbindung werden sie (2mal) nach dem Passwort gefragt (z.B. 'knoppix').

Knoppix-Wunder

Es kommt sehr selten vor, dass Knoppix die Daten eines defekten Systems nicht retten kann. Wenn es sich um wichtige Daten handelt, darf man nicht zu früh aufgeben.

In hartnäckigen Fällen kommt es vor, dass die Daten (nur) anfänglich verloren scheinen. Wenn das Knoppix-System hochfährt, dann sind die Chancen schon recht gut. Falls nicht - Neue Knoppix-Version besorgen !

Wenn das Knoppix-System überhaupt hochfährt, dann führt das manchmal bereits zur (provisorischen) Heilung - Selbst dann, wenn auch mit Knoppix (noch) keine Daten sichtbar sind !

Fahren sie das Knoppix-System wieder herunter und versuchen sie danach einen weiteren Start: Im Glücksfall mit dem Original-System der Festplatte, manchmal mit der System Installations-CD, auf jeden Fall wieder mit Knoppix.

Checklist am Rettungs-PC

Verbindung aufnehmen vom 'Rettungs-PC' zum defekten PC (auf dem bereits Knoppix von CD läuft):
Windows:
Netzlaufwerk verbinden, dabei IP-Adresse und Samba-Volume des Knoppix-PC in dieser Form einsetzen \\192.168.0.99\knoppix
Volume-Namen \knoppix oder \Knoppix (andere exportierte Volumes sind darin enthalten, verlangen meist nochmals das Passwort).
Anschließend: Daten auf den Rettungs-PC kopieren.
Beginnen sie mit den wichtigsten Daten, das ist meist auch die kleinste Portion.
Ideal sind Portionen (Ordner, Verzeichnisse) von <=1GB.
Vergleichen sie die Dateigröße in Byte (Rechtsklick auf ein Verzeichnis). Das geht rasch und ist ein starkes Indiz:
Wenn die Gesamtgröße einer Portion am Patienten und am Sicherungs-PC auf das Byte genau gleich ist, besteht eine gute Chance für intakte Daten.
Knoppix kann Win-Festplatten (NTFS) nicht nur lesen, sondern bei Bedarf auch schreiben. Aus Lizenzgründen darf die Knoppix-CD einige dazu notwendige Programme und Dateien nicht enthalten. Knoppix sucht diese Dateien daher auf der gefundenen Festplatte. Das können sie erleichtern, wenn sie auf einer (noch gesunden) Win-Festplatte diese Dateien evtl. mehrfach duplizieren:
ntfs.sys und ntoskrnl.exe
Das ist hilfreich - noch besser ist es allerdings, auf defekte oder verdächtige Platten überhaupt nicht zu schreiben.

Wieder-Aufbau

Nach erfolgreicher Rettung und Kontrolle der Daten dürfen Arbeiten beginnen, die auf die defekte Festplatte schreiben:

Reparatur

Sie können versuchen, das defekte System zu reparieren: Original Installations-CD, Sicherungs-Diskette, etc.
Das geht - wenn überhaupt - relativ rasch.

Wenns klappt: Nochmals die Dateigröße der gesicherten Portionen vergleichen.
Wenns nicht klappt: keine Zeit verschwenden, sondern formatieren.
Reparierte Systeme sind nur selten längere Zeit stabil.
Verwenden sie solche Systeme - wenn überhaupt - nur für wenige Tage und achten sie besonders auf Fehler und 'ungewöhnliches Verhalten'. Führen sie auf reparierten Systemen kein System-Update aus, wenn das nicht unbedingt notwendig ist.
Am besten wird eine defektes Platte möglichst bald formatiert:
Dabei unbedingt Zeit lassen ! - Kein abgekürztes Verfahren verwenden, möglichst LowLevel mit anschließender ausführlicher Kontrolle.
Dabei werden allfällige defekte Speicherblöcke (gibts auf jeder Platte, auch gesund und fabrikneu) gefunden und aus dem Verkehr gezogen.
Je sorgfältiger Formatierung und Kontrolle, desto höher die nachfolgende Lebens-Erwartung.
Nach System-Installation werden zuerst Dienste (Server), Programme etc. installiert und konfiguriert. Nur jetzt, solange nur wenige unwichtige Daten vorliegen, kann das System ohne Vorbehalte getestet werden. Die Daten aus der Sicherungskopie werden zuletzt regeneriert, erst wenn das gesamte System zufriedenstellen läuft. Wenns funktioniert hat, ist eine kleine Feier angebracht.
Genau jetzt sind viele Ideen da, was 'man' besser machen sollte ... Aufschreiben und in die Wege leiten.

Vorsorge

Solange ein Betriebs- und Dateisystem noch 'lebt', hat man meist Besseres zu tun, als an eine Wiederherstellung zu denken. Nach einem (dank Knoppix) glimpflich überstandenen Absturz besteht meist ein kurzes Zeit-Fenster für vorbeugende Maßnahmen ...

Daten-Struktur:

Übersichtliche Ordnung erleichtert die Wiederherstellung.

'Normale' User-Daten sollten sich in einem einzigen Verzeichnis befinden. Das ist auf Linux das Verzeichnis /home/, auf Windows C:\Dokumente und Einstellungen.
Auf privaten PC können diese Grenzen überschritten werden, aber auch in diesem Falle sollten sich die Daten einigermaßen kompakt in einem eigenen Verzeichnis befinden, z.B. C:\Daten

Gemeinsam genutzte Daten befinden sich auf Linux in /srv/, am besten in /srv/filesrv/. Dort können sie Sub-Verzeichnisse mit genau definierten Zugangsrechten für alle gewünschten Anwendungen erstellen.

Besonders kritische und/oder wertvolle Daten sollten speziell behandelt werden (z.B. wichtige Dokumente, Serien-Nummern, Zugangsnamen, Passworte, etc.)
Diese Daten sollten sich alle in einem einzigen genau bekannten Verzeichnis befinden !
Da es sich dabei oft um vertrauliche Daten handelt, werden sie meist verschlüsselt oder mit Passwort in ein Archiv komprimiert.
Das solcherart gesicherte Paket wird regelmäßig und vollautomatisch auf mindestens einen anderen PC kopiert. Kopie auf eine andere Festplatte des gleichen PC ist besser als gar nichts, jedoch nicht sehr sicher.
System-Daten:
In jedem Betriebssystem gibt es wichtige Konfigurations-Dateien, die sich an bestimmten Stellen im Verzeichnisbaum befinden müssen.
Man richtet das System so ein, dass regelmäßig und vollautomatisch Sicherungskopien dieser Dateien in einem Verzeichnis angelegt werden.
Dieses Sicherungs-Verzeichnis lässt sich mit Standard-Methoden verschlüsseln, komprimieren und auf einem anderen PC oder Datenträger sichern.
Linux-Beispiele: das gesamte Verzeichnis /etc/, dazu diverse Konfigurations-Dateien, z.B. von phpmyadmin.

Kontrolle:
Gesicherte Daten sind ziemlich wertlos, wenn sie nicht regelmäßig in Stichproben kontrolliert werden. Man investiert sonst evtl. viel Zeit, Geld und Mühe in Sicherungen, die sich nicht mehr öffnen oder nicht mehr installieren lassen, oder die falschen Daten enthalten.

Datenbank:

DB-Strukturen und Daten werden besonders gesichert. Kopien der Original-Daten sind praktisch wertlos, da sie normalerweise verschlüsselt sind.
Jede Standard-DB bietet die Möglichkeit, Strukturen und Daten voneinander getrennt als dump zu exportieren.
Am wichtigsten ist bei MySQL die Datenbank mysql
Sie wird komplett mit Struktur und Daten exportiert.
Andere kleinere DBs werden ebenfalls mit einem komplett-dump (Struktur und Daten) gesichert.
Bei größeren DBs trennt man Struktur und Daten: Der Struktur-dump ist ohnhin klein, die Daten werden getrennt in Portionen exportiert.
Die einzelnen Daten-dumps werden komprimiert und auf CD und/oder anderen PC im LAN gespeichert. Die Größe der einzelnen Portionen richtet sich nach den jeweiligen Daten und muss ausprobiert werden. In der Praxis bewähren sich am besten solche Portionen, die im komprimierten Zustand 2-20 MB groß sind. Sie lassen sich leicht archivieren und mit geringem Aufwand regenerieren.

Die Wiederherstellung eines kompletten DB-Servers aus den gesicherten Daten ist zwar nicht allzu schwierig, muss aber trainiert werden.
Ein Erst-Versuch unter Stress (wenns wirklich passiert ist) dauert meist wesentlich länger und ist sehr anfällig gegen menschliche Fehler.
Tipp: Versuchen sie auf einem Übungs-PC die Wiederherstellung der DB mysql und einer beliebigen anderen DB von mindestens 10MB Größe.

Medien:

Sicherung auf Readonly-Datenträger (CDs, DVD) ist am besten.
Es hilft sehr, wenn man die Scheiben mit Datum beschriftet und nach der Sicherung wenigstens kontrolliert, ob überhaupt Daten darauf sind.
Magnetbänder zur Datensicherung sind noch gelegentlich in Betrieb, aber längst veraltet.
Die Aufbewahrung sollte an einem vom PC oder Server getrennten Ort erfolgen. Der offizielle Grund ist die Gefahr von Diebstahl oder Feuer, in diesem Fall bezahlt die Versicherung die Wiederherstellung der Daten.
Der wichtigste praktische Grund ist jedoch die Psychologie:
Wenn es wenigstens eine Stunde dauert, mit der Sicherungs-CD wieder zurück beim Server zu sein, haben alle Betroffenen noch etwas Zeit zum Nachdenken - Das hat schon die Formatierung vieler wichtiger Daten verhindert.

Festplatte:

Wenn die Sicherung auf Festplatte wirklich regelmäßig und vollautomatisch erfolgt, dann kann auch ein Server in wenigen Stunden formatiert und komplett neu aufgebaut werden. Das funktioniert jedoch nur dann, wenn es auf einem (anderen !) PC trainiert wurde.
Die Sicherungs-Festplatte kann sich durchaus im gleichen PC befinden, da fast alle Abstürze durch Software bedingt sind. Nur bei katastrophalen Hardware-Schäden (Blitz, Feuer, Wasser, Erdbeben, ..) ist auch die Sicherungs-Platte defekt, in solchen Fällen jedoch meist auch auf anderen PC.
Spiegel-Platten haben sich nicht besonders bewährt, da die Original-Platte kaum jemals Hardware-defekt ist. Wenn hingegen ein Software-Fehler bemerkt wird, dann ist er schon längt auf die Spiegelplatte kopiert.

Bei Festplatten-Sicherung auf einen anderen PC wird das lokale Netzwerk (LAN) evtl. schwer belastet. Sicherungs-Kopien >10..100 GB führen während der normalen Betriebszeit zur Lähmung des LAN.
Tipp: Ein guter Zeitpunkt für den (automatischen) Beginn solcher Arbeiten ist 02:00 früh.
Tipp: Messen sie den Zeitaufwand für 10GB Daten-Kopie. Berechnen sie daraus den ungefähren Zeitaufwand für die gesamte Sicherung.

Hardware

Kommerzielle Hochleistungs-Systeme zur Datensicherung arbeiten mit einem Mix aus spezialisierter Hardware und Software.
Am Markt werden Systeme für jeden Bedarf und Geldbeutel angeboten, ohne Obergrenze.

Wenn sie mit einem älteren 10MB-Ethernet-Netzwerk arbeiten, dann lohnt es sich, zumindest 2 PC (Server und Sicherungs-PC) an einen modernen 100MB-Switch anzuschließen. Das beschleunigt Kopier-Vorgänge fast auf 10fache Geschwindigkeit.


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