| Mit der Kraft der Gedanken und seit Beginn der Raumfahrt auch durch eigene Anschauung kann man sich ein Modell der Erdoberfläche machen. | Mathematische (geometrische) Modelle beschreiben mit Formeln die übergeordnete Struktur der Erdoberfläche, unabhängig von lokalen Unebenheiten. |
Kartografie
|
Orientierung auf der Erdoberfläche |
| Erd-Modelle | Abstraktion der erlebten Erdoberfläche zu mathematischen Modellen |
| Scheibe | Historisch, aber folgerichtig und keineswegs lächerlich |
| Kugel-Geschichte | Geschichte, Beweise, erste Berechnungen |
| Kugel | Daten, Rechnungen, Beispiele |
| Ellipsoid | Rotations-Ellipsoid (Oblates Spheroid) - Daten, Rechnungen, Beispiele |
| Geoid | Abweichungen der Realität vom mathematischen Modell |
| Links |
Ausgewählte
|
Erd-Modelle |
|
| In allen kulturell hoch entwickelten Völkern entstand das Bedürfnis nach einer geometrischen Beschreibung ihrer bekannten Umwelt. | Ein abstraktes Modell ist eine große gedankliche Leistung und verlangt die Fähigkeit, eine den lokalen Bergen und Tälern übergeordnete Struktur zu erkennen und zu beschreiben. |
| Es ist kein Zufall, dass man zunächst immer zum Modell einer flachen ↓ Scheibe gelangte. |
In der Antike ging man zum 3dimensionalen Modell einer
↓ Kugel über
und konnte sogar deren Größe berechnen. Das Kugel-Modell ist noch heute gut genug für einfache Rechnungen. |
| Mit genauer werdenden Messungen entdeckte man die Abflachung der Erde an den Polen und entwickelte Erd-Modelle mit ↓ Rotations-Ellipsoiden. | Die Vielzahl national und regional optimierter Ellipsoid-Modelle wird seit Beginn des 21. Jahrhunderts durch ein einziges globales Modell abgelöst. |
Flache Erd-Modelle |
|
|
Die Erd-Oberfläche wird von allen Menschen in halbwegs natürlicher Umgebung als flach erlebt.
Sie erstreckt sich in alle Richtungen offenbar sehr weit. Sie erscheint eben, denn hinter allen diese
Ebene störenden Bergen findet man ein Tal. Die äußerste Grenze der begehbaren Fläche
ist in jedem Fall ein Meeresufer. Menschen früherer Zeiten legten zu Fuß oder auf Reittieren Entfernungen von mehreren 100km zurück und fanden das flache Modell stets bestätigt. |
Es ist daher kein Zufall, dass alle Naturvölker unabhängig voneinander die Erde als flache
Scheibe beschrieben. Der Begriff der Unendlichkeit erfordert sehr abstraktes Denken, deshalb wird die flache Erde in einfacher Form als (endliche) Scheibe und nicht als mathematisch unendlich weit ausgedehnte Ebene beschrieben. Erd-Scheibe
|
|
Flache Erd-Modelle sind keineswegs so lächerlich, wie es heute erscheint: Das moderne → UTM-System transformiert die reale Erd-Oberfläche mit großem mathematischen Aufwand in eine ebene Fläche. Dieses System bietet für kurze Entfernungen (<100km) zahlreiche praktische Vorteile. |
Alle Landkarten sind mehr oder weniger gute, immer jedoch flache Abbildungen der
Erd-Oberfläche. Lediglich bei großen Entfernungen und im globalen Maßstab haben flache Erd-Modelle heute ausgedient. |
Kugel-Modell der Erde - Geschichte |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
GeschichteDas Modell von der Erde als Kugel wurde schon im griechischen Altertum entwickelt. Man muss genau beobachten, scharf nachdenken, und sich dazu Zeit nehmen, um zwangsläufig zu diesem Modell zu kommen.Mondfinsternis
Eine Mondfinsternis ist
ein vergleichsweise häufiges astronomisches Ereignis, welches 1-2mal jährlich auftritt.
Der Wisschenschafter (damals: Philosoph) Eratosthenes
(275-194 vuZ) beobachtete, dass der über den Mond ziehende Schatten der Erde immer genau
kreisförmig war. Er interpretierte das als Beweis für die Kugel-Gestalt der Erde und
schätzte aus der Form der Schattengrenze die Größe des Mondes auf etwas weniger
als 1/3 der Erde (<0.333)Heute verwendete Werte der mittleren Durchmessser:
Mond: 3476km
Erde: 12756km Verhältnis: d[erde] / d[mond] = 0.27 |
Näher kommende Schiffe
Dieses Beispiel wird Parmenides
(540-475 vuZ) oder spätestens
Aristoteles (384-322 vuZ) zugeschrieben:Von jedem Schiff, welches aus großer Entfernung näher kommt, sieht man zuerst den Mast, erst später den Rumpf. Man muss daraus schließen, dass sich zwischen Beobachter und Schiff eine Aufwölbung des Meeres befindet, welche in großer Entfernung den Rumpf, in noch größerer das gesamte Schiff verdeckt. Umgekehrte Argumentation: Wäre das Meer (= die Erd-Oberfläche) flach, dann würde man ein näher kommendes Schiff bereits aus wesentlich größerer Entfernung erkennen. Dabei müsste man stets das gesamte Schiff sehen, insbesondere auch den Rumpf, weil dieser wesentlich größer ist, als die feine Linie eines weit entfernten Mastes. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Sternbilder
Südliche Sternbilder erscheinen (auf der Nord-Halbkugel) unter einem umso größeren
Winkel über dem Horizont, je weiter man nach Süden (zu kleineren geogr.
Breiten lat) reist.Das gleiche gilt sinngemäß für die Sonne und wurde von Eratosthenes zur ersten Messung verwendet (nächster ↓ Absatz). Ein Beispiel mit europäischen Daten: Der Sirius ist der hellste Stern des Winter-Himmels. Die Tabelle (rechts) zeigt den Winkel über dem Horizont (Altitude) zur Winter-Sonnenwende am 21.Dezember, zu jenem auch ohne Uhr gut bestimmbaren Zeitpunkt (mitteleurop. Zeit CET), wenn der Sirius genau in Süd-Richtung steht. Die geografische Länge lon bestimmt den Zeitpunkt des Süd-Durchgangs. Die Ausgleichs-Gerade der Spalten lat/alt sollte die Werte k=-1; d=73.27 ergeben. |
Sichtwinkel (alt) zum Sirius über dem Horizont, zur Winter-Sonnenwende genau im Süden:
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Messung
Die erste Messung der Größe der Erdkugel gelang
Eratosthenes mit einem genialen Experiment im Jahre 240 vuZ:Er ließ den Winkel zur Sonne gleichzeitig an 2 in Nord-Süd-Richtung möglichst weit auseinander liegenden Orten messen. • Dazu bot Ägypten die besten Voraussetzungen. Die Messpunkte waren Syene (Assuan) und Alexandria, von denen Eratosthenes annahm, dass sie am gleichen Meridian lagen. Ungefähre Lage in modernen Koordinaten:
Alexandria: lon=29.93°, lat=31.22°
•
Die Distanz zwischen Syene und Alexandria wurde mit 5000 Stadien gemessen.Assuan: lon=32.90°, lat=24.10° Heutige Daten (in Nord-Süd-Richtung, gesamt):
d(N-S) = 792.2km
•
Die Messung wurde genau am Mittag der Sommer-Sonnenwende 240 vuZ ausgeführt.
Diesen Zeitpunkt konnte man an beiden Orten unabhängig und sehr genau bestimmen.
d = 844.4km |
• An beiden Orten wurde der Winkel eines senkrechten Stabes zur Sonne mit Hilfe der Länge seines Schattens gemessen. Er betrug in Assuan genau =0, in Alexandria 1/50 Vollkreis = 360°/50 = 7.20° = 7°12'
Zum Vergleich: Der Winkel-Abstand in Nord-Süd-Richtung beträgt nach heutigen Daten
zw = 7.117° = 7°7'
•
Man muss also 5000 Stadien nach Süden reisen,
um 1/50 des Erdumfanfgs zurückzulegen. Das ergibt für den
Erdumfang 5000*50 = 250000 Stadien• Die Länge eines Stadions ist heute nicht mehr genau bekannt und wird mit 150..180m angenommen. Als wahrscheinlichster Wert gilt 1 Stadion = 160m
Daraus ergibt sich für den Erdumfang
u(erde) = 46000km
Der heute verwendete Mittelwert von 40074km zeigt die
erstaunliche Präzision dieses mit einfachsten Mitteln durchgeführten Experiments.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Das finstere Mittelalter
Mit der Herrschaft der katholischen Kirche breitete sich ein Jahrtausend der Finsternis
(nicht nur) über die Wissenschaft. Viele Erkenntnisse der Antike gingen verloren und
mussten unter schwierigen Bedingungen gegen die Macht der Kirche neu erkämpft werden.
Allerdings wird heute angenommen, dass zumindest einige führende Wissenschafter Kenntnis
von der Kugel-Gestalt der Erde hatten. Als Wendepunkt gilt
Nikolaus Kopernikus
(1473-1543), der einem modernen, realistischen Weltbild zum Durchbruch verhalf.
|
Globale Reisen
Die globalen Entdeckungsreisen des 15. Jahrhunderts gingen bereits von der fixen Annahme
des Kugel-Modells aus:
Christoph Kolumbus (1451-1505) wagte als erster den Versuch, Asien nicht auf dem bekannten
Weg nach Osten, sondern über den Atlantik im Westen zu erreichen.Er unterschätzte allerdings die Entfernung erheblich, und erreichte 1492 zwar nicht Asien ('Indien') sondern die auf dem West-Weg dorthin liegende Insel Haiti (Hispanola) in Mittelamerika. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() Erst seit Beginn der Raumfahrt ist es Menschen möglich, die Gestalt der Erde selbst zu sehen: Aufgang der Erde über dem Mond, Apollo-8, 1968 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Ellipsoid-Modelle der Erde |
|||||||||||||||||
Verformung durch RotationAlle bisher beobachteten Himmelskörper rotieren, d.h. drehen sich um eine Achse.Die dabei auftretende Fliehkraft treibt Masse von den Polen der Drehachse in Richtung des jeweiligen Äquators. Deshalb ist der Abstand vom Mittelpunkt zum Äquator (große Halbachse a ) stets größer als jener zu einem Pol (kleine Halbachse b ). Die Bezeichnung für einen derartigen Körper lautet 'Oblates Spheroid' (rechts). Die Gravitation (wechselseitige Anziehung aller Masse-Teilchen) wirkt der Fliehkraft entgegen, bis sich ein Gleichgewicht einstellt: Ein Drehkörper ist umso stärker abgeflacht, je schneller er rotiert. Diese Verformung ist möglich, weil sich scheinbar starre, feste Körper wie Erde oder Mond in planetarem Maßstab wie Flüssigkeiten verhalten, die ihre Oberfläche stets nach dem Gleichgewicht der darauf wirkenden Kräfte einstellen. Nur sehr kleine Körper (z.B. Raumschiffe) verhalten sich starr: Es ist erwünscht, dass sie sich auch bei Rotation nicht allzu sehr verformen. Sehr große Körper (Galaxien) sind keine einzelnen Körper, sondern Ansammlungen. Ihre Formen sind meist komplex und lassen sich nur in Sonderfällen mit einfachen Rotations-Ellipsoiden beschreiben. |
Allgemeine (3achsige) Ellipsoide haben 3 voneinander unabhängige Achsen a,b,c Sie spielen allerdings in der astronomischen Praxis keine Rolle.
Quelle: Wikipedia
In einem Drehkörper ist der Abstand zum Äquator (die große Halbachse a) in jeder Richtung der Äquator-Ebene gleich groß. Deshalb genügt zur Beschreibung eines Rotations-Ellipsoids die Angabe von 2 der 3 Ellipsoid-Achsen. In der Praxis verwendet man auch andere, von den Achsen abgeleitete Variable (Tabelle ↓ unten). Die Formeln geben an, wie diese aus den Achsen berechnet werden und umgekehrt. |
||||||||||||||||
Rotations-EllipsoidHier wird nur der Spezialfall 'Rotationsellipsoid' vorgestellt, mit den 3 Achsen a = c > b● Ein Rotations-Ellipsoid hat im Gegensatz zu einer Kugel eine Vorzugs-Richtung - Die Rotationsachse durch die beiden Pole Die Ebene normal auf die Achse sowie durch den Mittelpunkt ist die Äquator-Ebene, ihre Schnittlinie mit der Oberfläche der Äquator-Kreis (= längster Umfang). Diese Elemente werden als Fixpunkte der Orientierung eingesetzt. - Nicht nur auf der Erde sondern für alle größeren Himmelskörper. • In Tabellen findet man immer den Wert von a Die große Halbachse a ist der Abstand vom Zentrum zum Äquator. • Als zweiter Wert wird meist 1/f angeführt, seltener b oder e Die kleine Halbachse b ist der Abstand vom Zentrum zu einem Pol. Die Lineare Exzentrizität e ist in einer Ellipse der Abstand zwischen Zentrum und Brennpunkt (focus). In einem Rotations-Ellipsoid gibt es keine Brennpunkte sondern einen Kreis mit den entsprechenden Eigenschaften in der Äquator-Ebene. e ist der Radius dieses Kreises. Numerische Exzentrizität ε und Abflachung f isind dimensionslos. Beide Exzentrizitäten werden gelegentlich mit e bezeichnet, eine Verwechslung ist wegen der sehr unterschiedlichen Werte jedoch nicht möglich. Aus 2 dieser Angaben lassen sich alle anderen Werte berechnen, allenfalls durch Umformen der Gleichungen. |
Zahlenwerte des international am häufigsten verwendeten Erdmodells WGS84 (ohne Gewähr):
|
||||||||||||||||
| Die rechts vorgestellten Werte werden in Berechnungen oft verwendet und daher meist vor Beginn aller anderen Rechnungen als globale Konstanten definiert oder als globale Variable berechnet: |
|
||||||||||||||||
Einige Formeln zum Rotations-Ellipsoid, mit heute üblichen Daten (meist aus WGS84):
|
Diese Formeln sind komplexer: Polar-Umfang:
Nur mit Näherung oder Reihen-Entwicklung zu berechnen.Diese Reihe kann man schon nach dem 4. Glied (<1m) oder nach dem 5.Glied (Änderung <1mm) abbrechen: (ε bezeichnet die ↑ numerische Exzentrizität)
u[pol] = 2 * a * pi * (g1-g2-g3-g4-g5)
g1 = 1 g2 = (1/2)^2 * ε^2 / 1 g3 = (1/2*3/4)^2 * ε^4 / 3 g4 = (1/2*3/4*5/6)^2 * ε^6 / 5 g5 = (1/2*3/4*5/6*7/8)^2 * ε^8 / 7 Oberfläche:
f = 2 * a * π * (a + (b^2 / sqrt(a^2 - b^2) ) * arcsinh(sqrt(a^2 - b^2) / b^2))
|
||||||||||||||||
|
Breitenkreis:
r[bk] = sqr(
1 / ((1/a^2) + (tan^2(lat)/b^2) ))
Beispiel für Mitteleuropa (lat=48°)
u[bk] = 2 * r[bk] *π
lat = 48° = 48 / 180 * π = 0.837758
Die Breitenkreise des Ellipsoids sind nur bis lat<4.58°
größer als im Kugel-Modell, danach kleiner.
r[48°,Kugel] = r[e] * cos(lat) = 6378000 * 0.66913 = 4267715 m = 4267.715 km u[48°,Kugel] = 26814844 m = 26815 km r[48°,Ellipsoid] = sqr( 1 / (2.458E-14 + 3.0525E-14) ) = sqr(1.8147E+13) = 4259886 m = 4259.886 km u[48°,Ellipsoid] = 26765656 m = 26766 km |
Zentrum
Unabhängig von der Form unterscheiden sich die Erdmodelle geringfügig
durch die räumliche Lage des Zentrums.Der Unterschied (dx, dy, dz) wird meist in Metern relativ zum Modell WGS84 angegeben. |
||||||||||||||||
Erd-ModelleMit den immer genauer werdenden Methoden der Landvermesssung wurde es notwendig, ein standardisiertes Modell des Rotations-Ellipsoids der Erde zu definieren.Alle größeren Nationalstaaten entwickelten historisch eigene Modelle, die jeweils an die individuellen Vermessungs-Daten des jeweiligen Gebiets optimal angepasst waren. Beispiele: Das von Friedrich Wilhelm Bessel 1841 für das Militärgeografische Institut (MGI) berechnete Herrmannskogel-Modell, optimiert für die österr.-ungarische Monarchie, ist noch immer die Grundlage des (allerdings auslaufenden) → ÖK-Kartenwerks. Das von Krassowski 1940 entwickelte Modell wurde u.a. in der DDR bis zu deren Ende verwendet. |
Die Globalisierung erzwang spätestens um das Jahr 2000 ein international einheitliches Standard-Modell. Das heute allgemein verwendete Modell WGS84 ist global optimiert. • Bei Verwendung moderner Daten (z.B. GPS) kann man vom Modell WGS84 ausgehen, wenn kein anderes angegeben ist. • Bei Verwendung älterer Daten (z.B. von Landkarten) kann man ohne weitere Angaben das jeweilige nationale Modell annehmen. |
||||||||||||||||
Datum-TransformationDie Umrechnung (geodätische "Datum-Transformation") von Orts-Koordinaten in ein anderes (rotations-elliptisches) Erd-Modell ist relativ aufwändig: Die Punkte der Oberfläche werden dabei als fix angenommen, das beschreibende Koordinaten-System (Ellipsoid) wird geringfügig verschoben und gedreht. Die Orts-Daten eines Punktes unterscheiden sich je nach Erd-Modell um einige 10-100 Meter.Zur Umrechnung benötigt man 3 Faktoren für die Lage des Zentrums (Ursprung des Koordinatensystems) in Meter. 3 weitere Faktoren für die Orientierung der Achsen im Raum werden meist in Bogensekunden angegeben. Für die Verwendung in Winkelfunktionen werden sie in das Bogenmaß umgerechnet: 1' → 2*π/360/60/60 = 4.848E-6 Ein weiterer Faktor 'Skalierung' wurde aus praktischen Gründen zusätzlich eingeführt, obwohl das eine Redundanz darstellt. Der Skalenfaktor s ist sehr nahe 1 und wird daher meist als Abweichung von 1 in ppm (parts per million) angegeben. Beispiel:
Abweichung ds = 1ppm = 1E-6
s = 1 + ds = 1.000001 |
Das ergibt insgesamt 7 Faktoren, die bei der Helmert-Transformation vollständig berücksichtigt werden. Genaue Angaben und Online-Umrechnungen findet man im Internet. Für rasche und weniger genaue Transformationen werden meist nur 3 Faktoren ( Molodensky-Transformation) verwendet und die übrigen Faktoren vernachlässigt. Die verwendeten Methode sollte sich am Zweck und an der Genauigkeit der verfügbaren Daten orientieren. Sowohl die terrestrische Vermessung mit (Laser)-Theodoliten als auch die Vermessung mit Satelliten (GPS) bieten nur begrenzte Genauigkeit. Daten älterer Herkunft sind um Größenordnungen weniger genau. ♣ Tipp: Unterscheiden sie diese Art der Transformation von der Umrechnung zwischen geografischen Koordinaten (Länge, Breite) und den XY-Koordinaten des → UTM-Systems in Metern. |
||||||||||||||||
Kontinentaldrift
Quelle: Wikipedia
• Bei Berücksichtigung der Kontinentaldrift müsste man weltweit alle Orts-Koordinaten laufend anpassen, oder zusätzlich den Zeitpunkt angeben. • Es gibt keinen Fixpunkt zur Messung, da alle Kontinente driften. Politiker und Kirchenfürsten aller Zeiten waren allerdings nie verlegen, die eigene Hauptstadt zum Mittelpunkt (hier: Fixpunkt) der Erde zu ernennen... |
Man geht in der Praxis von starren Kontinenten aus, innerhalb derer die Orts-Koordinaten konstant sind. Daher trennt man das tatsächlich Zeit-abhängige Internationale Referenz-System ITRS von den kontinentalen Systemen - für Europa ETRS. In diesem Fall kann man die Drift relativ einfach beschreiben. Transformation ITRS ↔ ETRS89:
tx=0.054m, ty=0.051m, tz=-0.048m
für δt = Zeit in Jahren seit Fixierung des
ETRS (1989).rx=0.000081*δt, ry=0.00049*δt, rz=-0.000792*δt s=0 Derzeit (2000) gilt daher
rx=?m, ry=?m,
rz=?m
|
||||||||||||||||
|
In den meisten Tabellen sind Erd-Modelle durch ihre Differenzen zum
derzeitigen Standard-Modell WGS84 definiert: Differenz der großen Halbachse: da = a(WGS84) - a(Modell)
Differenz der Abplattung:
df = f(WGS84) - f(Modell)
Die Differenz df wird manchmal
(Garmin-GPS) mit dem
Faktor 10000 multipliziert.
|
Beispiel: Für das Ellipsoid
Bessel 1841
(Österreich) ergibt sich (unverbindlich)
dx=653, dy=-212, dz=449
Wenn man die Drehung der Koordinatensysteme vernachlässigt, dann kann man
(z.B. für GPS-Geräte) die Erdmodelle mit den hier angeführten
5 Faktoren berechnen.
da=653,135, df=0.10037483 |
||||||||||||||||
|
Klicken sie zur Anzeige der Details den Options-Button links von einem Modell
|
|||||||||||||||||
Geoid |
|
| Die reale Form der Erdoberfläche lässt sich auch mit einem optimal angepassten Ellipsoid nicht beliebig genau abbilden. Durch unregelmäßige Verteilung der Massen, durch Strömungen im Erdmantel und andere Effekte gibt es großräumige Abweichungen in der Größenordnung einiger 10m. |
Das Geoid ist jene Form, die durch die genaue Messung der Erdanziehung (Gravitation)
definiert ist. Sie weicht real um einige 10m von jener eines Ellipsoids ab. Im Internet findet man aktuelle Daten. |
Quelle:
Peter Dana, Univ.Texas
Für Kontinente gibt es Geoid-Daten mit wesentlich mehr Details, z.B. EGG97 ↓ für Europa, GEOID03 für die USA. Die Daten werden im Abstand einiger Jahre aktualisiert. |
|
| Das Diagramm beschreibt die Differenzen der mittleren realen Erdoberfläche (Geoid) zum global optimierten Standard Ellipsoid-Modell WGS84. |
Bei entsprechend genauer Messung ändern sich die Details auch mit der Zeit. Beispiel: Die Verschiebung großer Massen durch die Kontinentaldrift oder das Wasser der mit der Klima-Katastrophe rasch abschmelzenden Eismassen. |
|
Quelle:
Univ.Hannover
Details nach dem Modell EGG97 (1997) Mitteleuropa liegt im Bereich um +40m, Island (Nahtstelle der Kontinentalplatten) um +70m |
|
|
|
| Univ.Texas - Map Collection, Map Sites (Links !) |
CIA -
Maps & Publications Geoid: USA, DEM: USA |
Wikipedia: Erd-Modelle: WGS84, GRS80, ETRS89, |
MapRef (en): Sammlung geodätischer Daten:
Theorie,
Projektion & Transformation,
Werkzeug,
nationale Referenzen (at,
ch,
de) Kowoma - Erdmodelle, |